Murano Glas Identifizieren Teil 2 Techniken

Teil eins dieser völlig subjektiven Zusammenfassung meiner Erfahrungen können sie hier lesen. Einen spezielleren Beitrag zu Carlao Scarpa und den Battuto Techniken gibt es hier.

Bavorier & Toso Murano
Sommerso Blockaschenbecher, Barovier & Toso

In Teil zwei nehme ich hier die bekanntesten Techniken aus der Produktion Muano auf. Vorab möchte ich jedoch zu einem weit verbreiteten Irrtum aufklären. ES GIBT KEIN MURANO BLEIKRISTALL GLASS. Die Produktionen aus Murano verzichten auf die Zugabe von Blei. Der Irrtum beruht auf der Bezeichnung Cristallo oder „Sogni di Cristallo“. Dieses Glas, absolut klar und transparent, von höchster Qualität, extrem brillant stammt aus der Hochzeit der Produktion von Lüstern, Leuchtern und Kronleuchtern ist aber aber auch im figürlichen Bereich zu finden. Es wurde immer OHNE Zugabe von Blei gefertigt. So mancher Kronleuchter wertvollstem Murano würde evtuell auch nicht mehr unter der Decke hängen, hätte man Bleikristall verwendet. Das Cristallo zeichnet sich eben auch dadurch aus, sehr leicht zu sein. Die Unterschiede in den Ausgangsstoffen sind in der entsprechenden Fachliteratur zu finden. Es gilt allgemein jedoch: Die Glaskünstler auf Murano arbeiten mit: natriumhaltigen Zusätzen zur Kieselerde, so wie es die antike mediterrane Tradition vorsieht. Das heißt, dass zusätzlich zur Kieselerde, einem Sand mit dem man durch einen Schmelzprozess Glas herstellt, auch Natrium hinzugefügt wird, um das Schmelzen bei geringeren Temperaturen, zu ermöglichen. Das Kaliumcarbonat, in Alternative zum Natrium, welches typisch für die nördlichen Länder ist, bildet ein glänzendes Glas, das sich vor allem für das Glasschleifen und die Ätzung eignet (so wie das englische Bleiglas), aber nicht für die komplizierten Warmbearbeitungen, die hingegen typisch für Venedig sind.

Die Techniken die auf Murano verwandt werden sind maßgeblich:

  • Anse volante: Verarbeitung mit Hilfe einer Metallplatte
  • Battuto: das Glas erhält bei der Herstellung tiefe „Abschürfungen“
  • Bulicante: Glas mit Einschluss von Luftblasen
  • Canna: das Ziehen von unterschiedlich breiten Bändern auf durchsichtige Glaskörper zur Gewinnung von Mustern
  • Colorazione a caldo senza fusione: Oxid und Metallklumpen werden in die Glasmasse eingefügt
  • Costolato: Einarbeitung von charakteristischen Rillen
  • Crudo: Technik, die eine unregelmäßige Farbgebung und Schlieren verursacht
  • Fenicio: ringförmige Einarbeitung von andersfarbigem Glas
  • Filigrana: verflochtene oder verschmolzene Glasstränge werden aufgetragen
  • Incalmo: Zwei Elemente unterschiedlicher Farbe, aber gleicher Größe, werden zusammengefügt
  • Incamiciato: Milchglas wird mit transparentem Glas überarbeitet
  • Incisione alla mola: Verzierungen werden im Kaltverfahren angebracht
  • Lattimo: Die Herstellung von Milchglas
  • Murrina: Die Verwendung von Murrinen zur Dekoration
  • Oriente: typische Merkmale sind starke Farben, asymmetrische Formen und schwarz-weiß gestreifte Murrinen, die Bezeichnung beschränkt sich auf die Arbeiten von Ercole Barovier und Dino Martens
  • Pennellate: Kugel aus farbigem Glas werden über den Glaskörper gezogen
  • Pezzato: bunte Kombinationen, ähnlich der Patchworktechnik
  • Pulegoso: Einarbeitung vieler Luftblasen, die das Glas aufgeschäumt wirken lassen
  • Reazione policroma: Effekte werden durch Experimente mit Dehnungsgraden der Glassorten und durch die Einarbeitung von Gold und Silber erzielt
  • Scavo: Die Nachahmung antiker Gegenstände
  • Siderale: Die Aufbringung einer verarbeiteten, zweifarbigen Murrine auf den geformten Glaskörper
  • Sommerso: das Glasobjekt wird mit andersfarbigen oder durchsichtigen Glasschichten überzogen
  • Tessuto: dünne Glasstangen werden zusammengefügt und in Form geblasen

Zu den einzelnen Techniken hier einige Beispiele aus unserem Shop:

Collection Battuto Murano
Collection Battuto Murano

Battuto in unterschiedlichen Ausprägungen.

Außen jeweils ein klassisches Battuto Verfahren in der Mitte Battuto Pannels wie sie oft genannt werden. Alle drei Objekte stammen aus der Sammlung Arndt die wir vor kurzen in einigen Bereichen integrieren konnten. ( Ankauf Venedig 1964 )

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Sommerso Dino Martens Murano
Sommerso Dino Martens Murano

Sommerso: Die Sommerso Technik beruht ebenfalls auf dem Erfindergeist von Carlo Scarpa. Die Technik hat viele Ausprägungen. Besonders die sogenannten Blockobjekte, siehe oben, sind ein beliebter Sammelbereich. Aber auch Ausprägungen wie dieser Vogel von Dino Martens stehen für Sommerso.

Wird fortgesetzt 🙂

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