Görge Holdt

GÖRGE HOHLT

ich habe das große Glück zwei herausragende Arbeiten im Shop anbieten zu können.

  • 1930 in München geboren
  • 1949 Abitur
  • 1945 – 1956 Mitarbeit am Aufbau der „Werkstatt Hohlt“ in Katzbach
  • 1952 – 1953 Akademie der Bildenden Künste in München, Bildhauerei bei Prof. Toni Stadler, Keramik bei Prof. Franz Eska, Gesellenprüfung
  • 1956 – 1959 Staatliche Ingenieur- und Werkschule für Keramik Höhr-Grenzhausen, Abschluss zum Keramik-Ingenieur
  • 1959 – 1964 Industrie-Tätigkeit in Lauf
  • seit 1965 Übernahme der Werkstatt Hohlt in Katzbach
  • 1974 – 1984 gemeinsame Arbeit mit Brigitte Schuller in Katzbach
  • 1999 Gastprofessur am Institut für künstlerische Keramik in Höhr-Grenzhausen

Geörge Holdt
Geörge Holdt

 

Auszeichnungen:

  • 1966     Internationales Kunsthandwerk in Stuttgart
  • 1967     Internationale Keramikausstellung in Istanbul, Silbermedaille
  • 1968     Bayrische Akademie der schönen Künste, Auszeichnung Cervia/I, 6. Concorso di Ceramica d’Arte, Goldmedaille
  • 1972     Jahrespreis der Danner’schen Kunstgewerbe-Stiftung, München
  • 1973     Westerwaldpreis für Keramik, Höhr-Grenzhausen, Ehrenpreis für Glasur
  • 1976     Bayrischer Staatspreis, Internationale Handwerksmesse, München
  • 1981     Aufnahme in den Deutschen Werkbund, Bayern
  • 1984     Kulturpreis des Bezirks Oberbayern

Hier die Ehrung zum achstigsten Geburtstag  von Mathias Fanck

Die Geschichte von Görge Hohlt beginnt mit einer denkwürdigen Reise: seine Eltern Margarete O’Swald und der Keramiker Otto Hohlt machen sich nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges von Norddeutschland nach Italien auf, um dort ein neues Licht, neues Leben und neuen Sinn zu finden. Im oberbayerischen Inntal nahe Rott verlieben sie sich in einen alten Bauernhof und kaufen ihn. „Und da verzichteten sie weise dann auf den letzten Teil der Reise“ – um Joachim Ringelnatz zu zitieren. Der Hof wird um- und ausgebaut, ein Werkstattgebäude entsteht und die Beiden beginnen, ihren Traum vom einfachen Leben und von der keramischen „Werkstatt Hohlt“ zu verwirklichen – über mehrere Jahrzehnte ein fester Begriff in der europäischen KunstkeramikSzene. Und ein , Treffpunkt von Künstlern: Eugen Roth war oft zu Gast („Alle Hohlts mit Leib und Seele ich dem Himmel anempfehle“), der Maler Arnold Balwe, der Grafiker Emil Preetorius, die Keramiker Toni Stadler und Priska von Martin und viele viele Andere. 1930 wird Görge in München geboren, zwei Jahre nach seinem Bruder Albrecht. Ab 1945 hilft er beim weiteren Aufbau der Werkstatt, 1949 macht er in Marquartstein das Abitur. Ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München folgt – Toni Stadler (Bildhauerei) und Franz Eska (Keramik) sind seine Lehrer. Bis 1959 lernt er an der Keramikschule in HöhrGrenzhausen Glasur und technische Keramik und schließt als Diplomingenieur ab. Fünf Jahre arbeitet er anschließend bei der Steatit-Magnesia AG in Lauf bei Nürnberg, bis er 1965 – Vater und Bruder sind beide 1960 gestorben und „Mutter Hohlt“ führt die Werkstatt allein – zurück nach Rott geht und sich ganz und gar und höchst erfolgreich der Kunstkeramik widmet. Hatte sich die „Werkstatt Hohlt“ noch ganz der Gebrauchskeramik gewidmet, die Formenund Farbenwelt der ländlichen Töpfe, Kannen und Schüsseln auf hohem handwerklichen Niveau weiter entwickelnd, so öffnete sich erst Albrecht und dann besonders Görge der reichen, dabei formal doch strengen Welt ostasiatischer Keramikkunst. Steinzeug, Porzellan und höchst komplizierte Glasur- und Brenntechniken hielten in der Werkstatt Einzug, die Gefäße – sie blieben Gefäße – wurden zu durchgeistigten und kostbaren Einzelstücken. Ausstellungen in allen namhaften Museen und Galerien sowie zahlreiche Preise, darunter der Danner-Preis, der Bayerische Staatspreis, © Ornithologische Gesellschaft Bayern, download unter www.biologiezentrum.at 76 Ornithol. Anz., 49, 2010 die Aufnahme in den Deutschen Werkbund und der Kulturpreis des Bezirks Oberbayern zeugen von der Anerkennung, die seinem steten Ringen um höchste Qualität von Form und Glasur zuteil wurde. Görge ist im Sternzeichen der Zwillinge geboren, und er ist einer der typischsten Zwillinge, die ich kenne. Neben seinem keramischen Leben stand stets das des Ornithologen – gleichberechtigt und mit gleicher Intensität und Leidenschaft geführt. Bei Flunderten von Exkursionen, oft an den geliebten (und früher, mit dem Fahrrad, gar nicht so nahen) Chiemsee vertiefte er seine Artenkenntnis und seinen „siebten Sinn“ für alles Geflügelte. Görge ist einer, der einen vorbeihuschenden Vogel an seiner Flügelschlagfrequenz oder seinem Schatten erkennt. Sein scharfer Blick, sein feines Gehör und sein phänomenales akustisches Gedächtnis sind (waren…) jedem in Erinnerung, der mit ihm unterwegs war. Wie oft habe ich sein kurzes und scharfes „Da!“ gehört. Abruptes Stehenbleiben, Zeigefinger nach oben, Peilen, Schauen, und da war er dann wirklich, der ferne Trauerschnäpper, die Bartmeise, das Blaukehlchen in der Weide, der erste Karmingimpel am Chiemsee – zuerst gehört, dann gesehen. Die Ornithologie zum Beruf zu machen, hat er sicher einige Jahre lang erwogen. Eine Reihe von Veröffentlichungen zwischen 1953 und 1960 im „Anzeiger“, im „Journal“ und in der „Vogelweit“ erinnern daran. Themen waren z.B. „Austausch von Begrüßungen zwischen Pirol und Wacholderdrossel“, „Brutgemeinschaft Wacholderdrossel – Raubwürger und Wacholderdrossel – Turmfalk“, Studien über die Rabenkrähe oder „Die Vögel des Schutzgebietes Achenmündung und des Chiemsees“ (1960, mit Michael Lohmann und Andreas Suchantke). Seine „Studien an einer süddeutschen Population der Wacholderdrossel (Turdus pilaris)“, 1957 im Journal für Ornithologie veröffentlicht, waren so etwas wie seine Doktorarbeit und sind heute noch Referenz für die Art. Gerd Diesselhorst war dabei sein „Doktorvater“. Mitglied der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern ist Görge Hohlt seit 1954. 1955 und 1956 brüteten erst zwei, dann sechs Paare des Purpurreihers am Chiemsee – die erste und lange Zeit einzige in Bayern nachgewiesene „Kolonie“ dieses wohl nie sehr häufigen Vogels. Der erste beringte Jungvogel erhielt zu Ehren seines Entdeckers den Namen Görge. Leider brach er zu seinem ersten Zug ins Überwinterungsgebiet um 180° verkehrt auf und wurde später aus der Gegend von St. Petersburg als erlegt gemeldet. Eine Vermessungschneise, die „zielsicher“ durch das Brutgebiet am Chiemsee geschlagen wurde, setzte dem hoffnungsfrohen Versuch ein Ende. Zu der Zeit kannte ich Görge noch nicht, aber ich kann mir sein Entsetzen und seinen Zorn über diese unnötige Zerstörung gut vorstellen. Habe ich doch immer wieder erlebt, wie nahe ihm das Verschwinden von Lebensräumen und Tieren und Pflanzen aus seiner bayerischen Heimat ging – oft bis zur an Depression grenzenden Verzweiflung. Viele Arten- und Biotopschutzmaßnahmen hat er in der Folge mitgetragen, oft am Chiemsee, oft mit seinem Schulfreund Michael Lohmann. Über vierzig Jahre lang hat er sich an der Internationalen Wasservogelzählung beteiligt (die gemeinsame „Mittwinterzählung“ am eisigen Chiemsee gehörte lange zu meinem Pflichtprogramm), viele Jahre lang zählte er Kormorane an ihren Schlafplätzen am Inn. Gäbe es die Drillinge als Sternzeichen, Görge wäre sicher einer der ersten Aspiranten darauf. Denn neben Keramik und Ornithologie sind es die Reisen in die Ferne, die ihm Lebensinhalt und -elixier bedeuten. Nach frühen Fahrten zum Neusiedler See, in die Camargue, nach Griechenland und in die Türkei (Heide und Otto von Frisch, Peter Conradty und Manfred Kraus waren die Gefährten), nach Skandinavien und Sardinien (mit Wolfgang Pietsch und Hans Gräber) nahm er immer wieder an den Exkursionen der OG und anderer Veranstalter teil: 1974 nach Südrussland (mit Hakan Hallander), später in den Himalaya (mit Ulrich Gruber), nach Indien, in die Osttürkei, den Jemen, nach Costa Rica, Sri Lanka, Marokko, Ostafrika, Australien, Japan, Kirgistan, Kasachstan und Usbekistan, auf die Seychellen. Er hat „ein wenig von der Welt gesehen“, wie man so sagt. Manfred Siering und Michael Proske waren auf mehreren Fahrten seine Begleiter. Ich hatte das Vergnügen zweier gemeinsamer Reisen mit ihm: die legendäre Fahrt mit zwei alten, zuwendungsbedürftigen VW-Bussen 1978 in den Iran (mit Manfred Kraus, Ernst Bauer, Peter Titze, Klaus Warncke und Frieder Sauer) bis zur Makran-Küste und in die Wüste Kavir sowie eine schöne Skandinavien-Tour 2003, die uns bis auf die Varanger-Halbinsel © Ornithologische Gesellschaft Bayern, download unter www.biologiezentrum.at OG persönlich 77 brachte – ebenfalls mit VW-Bussen. Die fünfzehn gleichzeitig anwesenden Seeadler am Syltefjordstauran und den nach langer Suche „herausgearbeiteten“ Blauschwanz werden wir sicher nie vergessen. Zu Deinem Geburtstag alles Gute, alter Freund! Dass es angeblich der 80. sein soll, ist mit Sicherheit ein Rechenfehler. Und nach dem, was Du privat schon alles überstanden hast (wie hast Du das nur geschafft?), bringst Du die Zeit, bis Du wirklich irgendwann mal 80 wirst, sicher noch gut hinter Dich. Wir erheben das Glas auf Dich! Das Fernglas natürlich.  Matthias Fanck

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