Battuto Technik von Carlo Scarpa aus Venedig

https://studioglas-studiokeramik.de/wp-content/uploads/2017/10/Battulo-Scarpa.jpgVasen in Battuto / Incalmo Technik

Aus der Sammlung Arndt erworben zwischen 1950 und 1964 in Italien

Unsere Objekte sind gem. der Provenienz von Meistern in Murano gefertigt worden, ein Zuordnung zu großen Namen ist mir jedoch nicht eindeutig möglich. Die Vasen sind in Battuto Technik gefertigt

Zur Geschichte der Techniken

Der italienische Architekt und Künstler Carlo Scarpa (*1906 in Venedig, † 1978 in Sendai, Japan) war einer der wichtigsten Vertreter der organischen Architektur, diese war sehr stark durch den großen Frank Lloyd Wright beeinflusst. Carlo Scarpa prägte durch seine Bauprojekte und seine Lehren stark die Architektur des 20. Jahrhunderts. Sein architektonischer Umgang mit alt und neu setzte ganz neue Maßstäbe.

Seine ersten 20 Schaffensjahre widmete er allerdings der Glaskunst: In seiner Ära als Art Director (1932-1946) bei Venini hat er entscheidende neue Formen und Techniken entwickelt und ausgeklügelte Verarbeitungsverfahren ausgetüftelt.

Unsere Stücke finden Sie hier im Shop

Hier sehen Sie einige Stücke in Battuto Technik Bicolore, Tricolore und verlaufend. Weiter unten zeige ich Ihnen eine Incalmo Technik.

In der BATTUTO BICOLORE  werden zwei besonders aufwändige Techniken kombiniert:

Die Incalmo Technik: „Incalmo“ bedeutet übersetzt in etwa so viel wie „verschmelzen“ und beschreibt anschaulich den Vorgang, mit dem zwei Glaskolben von zwei Glasbläsern in Form geblasen, dann aufgeschnitten und schließlich sehr präzise miteinander verschmolzen werden. Die Technik erfordert unglaublich viel Fingerspitzengefühl und provoziert leider einen sehr hohen Ausschuss – ein Grund dafür, weshalb diese Technik lange Zeit gar keine Anwendung mehr fand und auch heute fast ausschließlich bei VENINI beherrscht wird.

Die Battutto Technik: Ein ausgekühltes Glasobjekt wird mit aufwändigen Glasschneide- und Schleifarbeiten in die finale Form gebracht und veredelt. Die charakteristischen, unregelmäßig parallelen Schleifmuster machen jedes Objekt zum Unikat. Das italienische Wort Battuto („geschlagen“, „gehämmert“) beschreibt dabei sehr anschaulich das spätere Finish. Dieses zeitintensive und kostspielige Verfahren benötigt sehr viel Erfahrung, Muskelkraft und Feingefühl.

Incalmo Technik
Incalmo Technik
Incalmo Technik
Incalmo Technik
Incalmo Technik
Incalmo Technik

 

 

 

 

 

An diesen drei Bildern sehen Sie anschaulich, was die Incalmo Technik ausmacht. Zwei verschiedene Gläser, hier in unterschiedlichen Materialien und Farben, werden verbunden. Der aufwenige Schliff im oberen Bereich lässt die zusätzliche Definition Battuto, in der geschliffenen Form zu. Maßgeblich handelt es sich also um eine Incalmo, Bicolore mit einem geschliffenen, Battuto, Aufsatz. In diesem Fall extrem schwierg herzustellen da die Materialien ungewöhnlich divergierend gewählt wurden.

Venezianische Glaskunst im Bröhan-Museum

Die Farben der Lagune / Incalmo Technik

Aus der Glut geboren: Das Bröhan-Museum zeigt filigrane Meisterwerke der venezianischen Glaskunst.

Sie benötigen eine ruhige Hand, ein scharfes Auge und Mut beim Umgang mit der glühenden Materie. Bis zu 25 Jahre dauert die Lehrzeit, ehe sich ein venezianischer Glasbläser „Meister“ nennen darf. Im Bröhan-Museum ist jetzt die Vielfalt der Techniken zu bewundern, die auf Murano entwickelt und verfeinert wurden. Die Objekte stammen aus der Sammlung von Lutz H. Holz. In rund zehn Jahren hat der Berliner Manager aus der Pharmaindustrie über 1000 Beispiele italienischer Glaskunst des 20. Jahrhunderts gekauft. Rund 220 Gefäße stehen im Bröhan-Museum. Ein zweiter Teil der Sammlung ist gleichzeitig in der Münchner Pinakothek der Moderne zu sehen.

Battuto Venini

Schon im 13. Jahrhundert lagerte Venedig die Glasproduktion auf die Insel im Norden der Lagune aus. Zum einen sollte die Handwerkskunst vor Spionen geschützt, zum anderen die Brandgefahr für die Stadt vermindert werden. Manche der ursprünglichen Verarbeitungsformen wurden schon vor der Erfindung der Glasbläserpfeife im 1. Jahrhundert nach Christus angewandt. Ende des 19. Jahrhunderts belebten diese venezianischen Manufakturen die alten Techniken wieder und feilten sie aus.

Die sogenannte Incalmo-Technik erfordert höchste Konzentration

Das um die Jahrhundertwende besonders beliebte Murrinenglas gab es schon in der Renaissance. Dafür werden zunächst bunte Glasstäbe zu vielfarbigen Strängen gebündelt, in Scheiben geschnitten, auf einem Blech ausgelegt und zusammengeschmolzen. Das geschmeidige Material kann dann wie über einem Tonkern geformt werden. Auf diese Weise entstehen entweder verspielte Muster oder – wenn die Murrinen lichtdurchlässig sind – eine mirakulöse Farbigkeit, die an Kirchenfenster erinnert.

Noch feiner gelingen die Ornamente, wenn dünne Glasstäbe Streifen oder Netzstrukturen auf der Oberfläche erzeugen. Am modernsten aber wirken die Objekte aus den 50er und 60er Jahren, die mittels der Incalmo-Technik hergestellt wurden. Dafür arbeiten zwei Glasbläser parallel an jeweils einer farbigen Gefäßhälfte und setzen die beiden Stücke dann frisch aus dem Ofen freihändig zusammen.

Incalmo erfordert höchste Nervenstärke und Konzentration, damit keine Naht entsteht. In der Ausstellung erläutert ein Film den Produktionsprozess. Wie Köche und Bäcker haben auch die Glasbläser berufsbedingt Verbrennungen an den Händen.

Die Massenproduktion von Glaskitsch kommt inzwischen aus China. Handverlesene Stücke wie die unseren sind in der chinesischen Produktion jedoch, glücklicher Weise, nicht zu finden. Der Sammler erkennt an der Farbwahl und an der Glasmischung sehr schnell den Unterschied zwischen italienischen und chinesischen Stücken. Aber auch für den Laien ist sehr schnell feststellbar wenn es sich um chinesische Objekte handelt. Diese werden immer in hohen Stückzahlen aufgelegt sind dadurch im Netz schnell zu  identifizieren.

Die meisten Stücke in der Ausstellung stammen aus der Blütezeit der modernen venezianischen Glaskunst. In den 50er und 60er Jahren waren die Objekte bei der Biennale von Venedig zu sehen. Die Künstler der amerikanischen Studioglasbewegung pilgerten nach Murano, um von den Italienern zu lernen. Meister aus Murano wie Lino Tagliapietra arbeiten bis heute in den USA, wo es die meisten Glassammler gibt. Auf Murano engagierten Manufakturen wie die Fratelli Toso oder Venini zeitgenössische Designer, um die Formen zu modernisieren.

Viele Öfen auf Murano sind erkaltet, die Massenproduktion von Glaskitsch kommt aus China. Aber es gibt auch eine kleine Renaissance der Glaskunst in Venedig. Die Fondazione Cini hat die Stanze del Vetro eingerichtet, einen noblen Ort der Forschung und Präsentation. Das Glasmuseum von Murano kümmert sich gleichermaßen um Tradition wie Zeitgenössisches. International wächst der Markt für Murano-Schätze

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