Walter Blümel, das Abstrakte

Der Baumeister-Schüler

Walter Blümel, die WBs der deutschen abstrakten Malerei
Walter Blümel, die WBs der deutschen abstrakten Malerei

Willi Baumeister und Walter Blümel, die WBs der deutschen abstrakten Malerei. Seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts steht die Kunst Willi Baumeisters hoch im Kurs bei Kunstinteressenten und Fachleuten des Landes. Auch außerhalb seines Lebensraums war und ist der Künstler seit jeher bekannt und geschätzt. Als Belege für die aktuelle Beschäftigung mit seiner Kunst, reicht es aus,  sich die Exponatliste der gezeigten Werke im Kunstmuseum Stuttgart, der Staatsgalerie Stuttgart oder des MoMA New York anzuschauen. Die zahlreich vorhandenen Werke seines Oeuvres wie die Geburt eines Baumeister-Archivs in Stuttgart im Jahre 2005, verdeutlichen die aktuelle Präsenz der Kunst des ehemaligen Professors der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

 

Willi Baumeister zählte bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten zu den erfolgreicheren Künstlern der klassischen Moderne. 1922 stellte er seine Werke mit Fernand Léger, Wassily Kandinsky, Kurt Schwitters, Oskar Schlemmer und Paul Klee aus. In der Zeit der „inneren Emigration“, in der er Berufs- und Malverbot erteilt bekam, arbeitete Baumeister bis circa 1937, stets im Verborgenen, jedoch mit großer Unterstützung von Künstlern, Museumsdirektoren, Schriftstellern, Architekten, Sammler. Viele bekannte Persönlichkeiten, wie HAP Grieshaber, Laszlo Moholy-Nagy, Max Bill,  Adolf Loos, Walter Gropius, Fernand Léger, Le Corbusier, Max Ernst, Albert Einstein suchten den Kontakt zu ihm.

 

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Ein Jahr nach Kriegsende wurde Baumeister Professor der Stuttgarter Kunstakademie. Sein Hauptanliegen war es die abstrakte Kunst als anzuerkennende festzusetzen. Für seine geheimnisvolle Ideologie war die abstrakte Darstellung das Instrument, dessen sich Willi Baumeister bediente. Er schaffte in seinen Bildern eine noch nie gelesene poetische Schrift durch kryptische Zeichen und Farbeninseln. Er versuchte seine Schüler zu leeren, anstatt zu lehren. Im Zustand der Leere offenbart sich erst die schöpferische Kraft. Einer dieser Geleerten war Walter Blümel. Von 1948 bis 1950 war er Schüler des Stutgarter Heros. Der Dialog der Gegenstandslosigkeit im Bild mit dem technischen Fortschritt faszinierte Blümel in dieser Zeit zusehends. Auch die Pfeil- und Würfelform, die sich aus Baumeisters geometrischer und organischer Ausdrucksform speisen waren für ihn die instrumentellen Mittel, um die Bewegung und Vielschichtigkeit der Zeit darzustellen.

 

Auch die monochrome schwarze Großform, wie sie aus Baumeisters „Montaru“-Bildern bekannt ist, findet sich bei Walter Blümel in ausgereifter und dynamischer Ästhetik wieder. Auch die menschliche Figur als maschinell-amorphe Form war ein beliebtes Bildmotiv für Walter Blümel. Als Schüler der Malklasse Baumeisters wurde Blümel in das Aktstudium eingeführt. Architektur, Typographie und Textilentwurf waren die weiteren Schwerpunkte. Baumeisters Umgang mit den Schülern war äußerst tolerant und philosophisch taoistisch angereichert. Ein spezielles Verhältnis muss zu Walter Blümel bestanden haben. Er war der einzige Schüler, der von seinem Lehrmeister in einer Ausstellung gewürdigt wurde. Willi Baumeister hielt die Rede zur Ausstellungseröffnung von „Das Bildnis unserer Zeit“ 1951. Die geistige Verbindung zu seinem Schüler ist durch die Lehre und die damit verbundene Philosophie der „elementaren Gestaltungsmittel“ geprägt.

 

 

Biographie

 

1921 3. Mai         WB wird in Trautenau im Riesengebirge geboren

 

1931                      erste Malversuche mit selbstangeriebener Ölfarbe

 

1938                      Abschluss Malerlehre; schwere Wirbelsäulenverletzung; Übersiedlung nach Wien; Arbeit als Graphiker

 

1941-45                Studium an der Wiener Kunstakademie

 

1946                      erstes Atelier in Leonberg

 

1948-50                Studium bei Willi Baumeister

 

1951                      erste Ausstellung in der Kunsthandlung Jung

 

1952-64                Gündung der „Freien Kulturvereinigung“ mit Sitz in Leonberg, Organ zur Förderung der bildenden Künste

 

1953                      Heirat mit Ruth Rehm

 

1954                      Begründung des Kunsthauses Neumann

 

1956                      Eröffnung der Malschule der freien Kulturvereinigung

 

1965-97                Ausstellungen

 

1997                       22. Januar           WB stirbt in Leonberg

 

 

Das Manifest

Walter Blümel schrieb sein persönliches Künstlermanifest, aus dem an dieser Stelle einige wertvolle Zeilen veröffentlicht werden:

Jeder Künstler schafft auf seine Weise Schönheit, womit sein persönliches Leiden erträglicher wird. Denken und Malen sind Lebensformen, wie Essen und Trinken.

In der Malerei gibt es viel Verschleierung, wird vieles umhüllt. Im Zeichnen wird enthüllt. In den Bemühungen nicht nachlassen, denn jede Schwäche macht noch schwächer.

Bedeutende Dinge sind nicht die, die wir erträumen, es sind die, die sich ereignen. Im künstlerischen Tun ist Planung zwar Voraussetzung, aber nicht allein wichtig für ein lebendiges Ereignis an der Arbeit. Am Leben sterbe ich öfters. Oft lebe ich erst beim Malen.

Während der Arbeit gibt es Momente der Hilflosigkeit und Verunsicherung. Auch Augenblicke neuer Erfahrung. Immer bleibt das Malen ein Abenteuer, ohne Ziel und Ende.

Unter den Menschen gibt es zwei Arten von Freiheit: In der Öffentlichkeit sind es die Reichen und Mächtigen, in der Zurückgezogenheit sind es die Künstler und Mönche.

Sich selbst finden: vom Naheliegenden ausgehen, ins Unbekannte vorstoßen.

Meine körperlichen Schäden sind Hindernis für eine große Lebenserfüllung, den Sprung in die Mitte des Marktes erreiche ich nie.

Die stillen Bilder haben es in sich . Die lauten Bilder haben es auf sich. Das Verhalten des stillen Bildes fordert den Betrachter zur Besinnung auf. Das laute, das dekorative Bild täuscht in seiner Oberflächlichkeit dem Betrachter Substanz vor, die es nicht besitzt. Knallige Bilder befriedigen das Auge. Wer Anspruch stellt auf Substanz, Qualität, Verdichtung, findet das mehr im verhaltenen Bild.

Neben den Bildern, die eine verhaltene oder Laute Sprache sprechen, gibt es die sprachlosen Bilder. Diese wenden sich weder an unser Auge, noch geben sie etwas unserem subtilen Empfinden.

In die unterste Gruppe fallen jene Bilder, die mit masslosen Ansprüchen, falschem Ehrgeiz fahrlässig entstehen. Diese Bilder sprechen eine falsche Sprache, die jeden Kenner stumm macht.

Es gibt eine bloss zum Konsum bestimmte Malerei und es gibt eine Konsumhaltung gegenüber jeder Malerei. Und es gibt eine nicht für den Konsum gemachte Malerei.

Verfremdung im Bild zerstört nicht alte Ordnungen. Für junge erwachsene Künstler bedeutet Verfremdung Neubelebung altersmüder Gedanken. Mit dem Verfremdungswillen zu malen glaubt man die Gegenwart am besten fassen zu können, sich ihrer ansichtig zu werden.

Die besondere Vielschichtigkeit unserer Gegenwart, die uns auch betroffen macht, will der Künstler durch sein Kündenmit seinen Verfremdungsideen erträglicher, verständlicher und menschlicher machen.

Schon hat eine aufgeweckte Künstlerschaft alle Kunststile der Vergangenheit in ihre Arbeit aufgenommen. Vermischte Stilformen und eine enorme Motivvielfalt beginnen unseren Kunstgeist zu verwirren. Es ist zu vermuten, dass Künstler und Kunstbetrachter einen neuen Orientierungspunkt im „Einfachen“ finden werden.

Für meine Kunst ist es die Aufgabe die Lebendigkeit des allgemeinen Lebens in seiner Vielfalt, in besonderer Kunsteinfachheit darzustellen.

Unsere Vorstellungen, die wir haben, hängen meistens mit Wünschen zusammen, die nachher nie ganz erfüllt werden.

Kunst kommt nicht von Können, Kunst kommt von Wünschen und Vorstellungen, von Einsichten, kommt aus Unbewusstem, aus Träumen. Kunst macht Wunder.

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